Infektionsschutz am Arbeitsplatz

Die Coronakrise hat allen vor Augen geführt, wie wichtig Maßnahmen der Hygiene und des Infektionsschutzes sind. Nicht nur die persönliche Gesundheit, auch Betriebe profitieren von einen umfassenden Infektionsschutz.

Autor Dr. med. Stephanie Jung, Fachärztin für Arbeitsmedizin

Da insbesondere saisonal Atemwegsinfektionen immer wieder zu Erkrankungen und Ausfallzeiten in Unternehmen führen, werden im Folgenden allgemeine Schutzmaßnahmen betrachtet, die über die Pandemiesituation hinaus nützlich und sinnvoll sind. Für bestimmte Branchen, wie beispielsweise den Gesundheitsdienst, gelten weitere gesonderte Anforderungen.

Welche Erreger spielen eine Rolle?

Es gibt es eine Vielzahl von Erregern, die die Schleimhäute befallen. Oftmals sind Viren die Ursache. Beispiele hierfür sind Rhinoviren, Respiratorische Synzytial-Viren (RSV), Influenzaviren (Grippeviren) oder auch das Coronavirus SARS-CoV-2. Die Virusinfektion führt zunächst zu einer Schleimhautschädigung der Atemwege, sodass die Anfälligkeit für Bakterien erhöht ist. Als Komplikationen können sich dann eine Nasennebenhöhlenentzündung, eine Bronchitis oder eine Lungenentzündung entwickeln.

Welche Infektionswege gibt es?

Der häufigste Infektionsweg ist die Luft, d. h. erregerhaltige Tröpfchen, die eine ansteckende Person durch Sprechen, Atmen, Niesen oder Husten ausstößt, werden eingeatmet. Ein anderer Übertragungsweg ist die Schmierinfektion. Beim Naseputzen, Niesen oder Husten kommen Erreger auf die Hände und gelangen so auf Oberflächen, die gemeinsam benutzt werden, oder sie können durch Händeschütteln übertragen werden. Wenn die so verunreinigten Hände der Kontaktperson dann Schleimhäute von Nase, Mund oder Augen berühren, kommt es zur Übertragung. Es gibt auch Erreger, die auf den Schleimhäuten siedeln und erst bei einer Immunschwäche zum Ausbruch führen.

Welche Schutzmaßnahmen gibt es?

Betriebe können durch Schutzmaßnahmen einen Beitrag zur Reduktion des Ansteckungsrisikos leisten. Hierbei bietet die betriebliche Gefährdungsbeurteilung eine wichtige Hilfestellung. So können räumliche Gegebenheiten, wie sehr enge Arbeitsplatzverhältnisse beispielsweise, die Gefährdung erhöhen. Richtiges Lüften kann dazu beitragen, die Erregerzahl in der Luft zu reduzieren. Dabei ist die Stoßlüftung am wirksamsten. Als Faustregel wird dies in Büroräumen regelmäßig nach 60 min über die gesamte Fensterfläche für 3 Minuten im Winter, 5 Minuten im Frühjahr/Herbst und ca. 10 Minuten im Sommer empfohlen. Besprechungsräume sollten in kürzeren Abständen von 20 Minuten belüftet werden und zusätzlich vor und nach Benutzung. Die Luftqualität kann mit Hilfe weiterer Instrumente, wie einer CO2-Ampel, Apps oder dem BGN-Lüftungsrechner optimiert werden.

RLT-Anlagen und Luftreiniger

Liegt an Arbeitsplätzen eine technische Lüftung durch RLT-Anlagen vor, so müssen diese sachgerecht eingerichtet, betrieben und instand gehalten werden. Zur Reduktion von Infektionsgefahren müssen außerdem besondere Fachempfehlungen beachtet werden. Dies gilt auch beim Einsatz von Luftreinigern. Mobile Umluftgeräte werden kritisch gesehen und sollten nur bei Einzelbelegung von Räumen genutzt werden.

Organisatorischer Infektionsschutz

Auf organisatorischer Ebene gibt es ebenfalls Lösungen. Wenn das Allgemeinbefinden und die Tätigkeit es zulassen, ist das Homeoffice bei milden Krankheitssymptomen eine Option. Auch die Einhaltung guter Hygienestandards schützt. So sollten in gemeinsam genutzten Räumen, wie Sanitärräumen oder Pausenräumen, Reinigungs- und Hygienepläne konsequent umgesetzt werden. Außerdem kann jede Person zur Risikominderung beitragen, indem die bewährten AHA+L-Regeln (Abstand halten, Handhygiene, Alltagsmaske tragen und Lüften) eingehalten werden. Gerade das Tragen einer Maske bei Erkrankung reduziert die Erregerfreisetzung und erhöht den Schutz der anderen. Angehörige von Risikogruppen sollten während Erkrankungswellen zum Selbstschutz in Innenräumen Masken tragen. Schmierinfektionen werden durch regelmäßiges und gründliches Händewaschen reduziert, und das Gesicht sollte möglichst nicht mit ungewaschenen Händen berührt werden.

Schutzimpfungen zur Prävention

Darüber hinaus bieten Schutzimpfungen einen weiteren individuellen Schutz. Je nach Altersgruppe und Infektionsrisiko gelten die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Zu Schutzimpfungen beraten Betriebs- und Hausärzte, Ansprechpartner zur Gefährdungsbeurteilung und Hygiene im Betrieb sind Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit.

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