Lärm im Büro reduzieren
Arbeiten mehrere Menschen in einem Raum, wirkt Lärm störend. Darum kommt es darauf an, Großraum- und Gruppenbüros raumakustisch auch gut zu gestalten.
Am Schreibtisch nebenan sprechen Kollegen miteinander, der Kopierer rattert und ständig klingelt irgendwo ein Telefon: Lärm im Großraumbüro führt häufig zu Verdruss und beeinträchtigt Konzentration und Leistungsfähigkeit. Die Fehlerquote kann steigen, ebenso Blutdruck und Herzfrequenz. Denn bei Lärm schüttet der Körper nachweislich mehr Stresshormone aus.
Störfaktor Lärm
Ob Lärm zum Störfaktor im Büro wird, hängt entscheidend von der raumakustischen Planung ab. Zu berücksichtigen sind beim Planen und Gestalten eines Büros die Art der Tätigkeiten, Geräuschquellen, der Raum, die Anzahl der Arbeitsplätze und ob Beschäftigte arbeitsbedingt viel kommunizieren oder sich sehr konzentrieren müssen. „Die Personen, die den Raum später nutzen, sollten möglichst frühzeitig einbezogen werden“, rät Birte Weber. „Sie wissen, wer zum Beispiel viel telefonieren muss oder welche Teams zusammenarbeiten.“ Birte Weber betreut in der Abteilung Prävention der Unfallkasse Nord die Messtechnik.
Die Arbeitsstättenregel ASR A3.7 „Lärm“ nennt Beurteilungspegel. Abhängig von der Tätigkeit soll er höchstens 55 dB(A) beziehungsweise 70 dB(A) betragen, der zweite Grenzwert gilt für Tätigkeiten mit Publikumsverkehr, wie etwa in einer Zulassungsstelle. Der allgemeine Hintergrundgeräuschpegel sollte 40–45 dB(A) nicht überschreiten.
Lärmpegel reduzieren
Neben Geräuschen von außen, wie etwa Verkehrslärm, beeinflussen die Geräuschquellen im Raum den Grundgeräuschpegel:
- Gespräche haben ein hohes Störpotenzial. Bei normalem Sprechen liegt der Schalldruckpegel bei etwa 63 dB(A). Ist es im Hintergrund laut, erheben Menschen automatisch ihre Stimme und der Lärmpegel im Raum nimmt zu.
- Telefone und Telefonate wirken oft störend. Hier schaffen leise Klingeltöne, optische Signale sowie Headsets mit Pegelbegrenzung, Lautstärkeregler und Geräuschunterdrückung Abhilfe.
- Arbeitsmittel und Geräte wie Computer, Laptops, Drucker und Kopierer sollten möglichst geräuscharm arbeiten und ein entsprechendes Prüfzeichen tragen. Geräuschintensive Geräte werden am besten in einem separaten Raum aufgestellt.
- Klimaanlagen sollten geräuscharm sein.
Raumakustik beeinflussen
Während im Raum anwesende Personen etwas Schall absorbieren, reflektieren harte Oberflächen den Schall. Mit einer Akustikdecke lässt sich die größte Wirkung erzielen, da sie die meiste Schallenergie aufnimmt. Daneben gibt es frei im Raum hängende Elemente zur Schallabsorption. Akustikputz oder Akustikbilder sind zusätzliche Lösungsmöglichkeiten. Um die Schallreflexion der Fenster zu reduzieren, bieten sich schallabsorbierende Lamellenvorhänge an. Schränke mit perforierten Türen können Schall „schlucken“. Werden sie als Raumtrenner eingesetzt, sollten sie auch auf der Rückseite schallschluckend wirksam gestaltet sein. Ein Teppichboden verringert den Trittschall.
Bei der Auswahl der Akustikmaterialien komme es entscheidend auf den Schallabsorptionsgrad an und in welchen Frequenzen der Schall absorbiert werde, erläutert Weber. „Häufig wird bei der Auswahl mehr Wert auf die Optik gelegt“, sagt sie. „Man kann aber nicht irgendein Akustikmaterial nehmen, sondern es muss zum Büroarbeitsplatz passen.“
In einem Großraumbüro mit Publikumsverkehr, wie bei einer Melde- oder Zulassungsstelle, gibt es unterschiedliche akustische Anforderungen. Hier müssen die Beschäftigten mit Kundenkontakt akustisch von der Wartezone sowie voneinander getrennt sein. Zugleich müssen sich im Kundengespräch beide Beteiligten gut verstehen können – ohne dass andere im Raum mithören. „Die Sprachverständlichkeit muss auch für Personen mit Höreinschränkungen gegeben sein“, sagt Weber. Eine schallabsorbierende Decke allein reicht häufig nicht aus. Schallschirme und schallabsorbierende Trennwände wären eine Lösung. Mit einer guten Raumakustik sinkt der Lärmpegel und steigt die Sprachverständlichkeit in einem Raum.
Zonen einrichten
Weber rät, Großraum- und Gruppenbüros anhand der Tätigkeiten und Arbeitsabläufe akustisch zu zonieren. Beschäftigte und Teams mit hohen Kommunikationserfordernissen „muss man akustisch abschirmen, sodass der Lärmpegel von diesen Personen nicht zu den anderen Arbeitsplätzen dringt“. Es ist sinnvoll, Verhaltensregeln gemeinsam mit den Beschäftigten zu erarbeiten und diese regelmäßig zu unterweisen.
Wenn Gruppen- oder Großraumbüros umgestaltet werden, etwa weil Teams oder eine Abteilung umstrukturiert werden, können sich auch die raumakustischen Anforderungen verändern, sagt Weber. „Die Akustik muss immer mit der Gestaltung der Arbeitsplätze in einem Großraumbüro aktualisiert werden.“
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