Cannabis in der Arbeitswelt
Unabhängig von aktuellen staatlichen Regelungen zum Konsum und Anbau von Cannabis ist die Substanz nicht nur wegen möglicher individueller Risiken, sondern auch wegen potenzieller Unfallgefahren und Leistungseinbußen am Arbeitsplatz von Bedeutung.
Die Hanfpflanze enthält verschiedene Wirkstoffe, die als Cannabinoide bezeichnet werden. Davon haben einige eine psychoaktive Wirkung. Am bekanntesten ist das Tetrahydrocannabinol (THC) – es ist vor allem für die psychoaktiven und berauschenden Effekte von Cannabis von Bedeutung. Der Konsum erfolgt durch Rauchen, Verdampfen oder Esswaren. Bei Inhalation tritt die Wirkung meist sofort ein, beim Essen zeitversetzt mit schwankender Stärke.
Wie wirkt Cannabis kurzfristig?
Positiv wird die körperliche und psychische Entspannung erlebt. Psyche, Wahrnehmung und Denken sind verändert durch z. B. gesteigertes Wohlbefinden, emotionale Gelassenheit, erhöhte Kreativität, Euphorie. Es sind aber auch Störungen von Aufmerksamkeit und Zeitgefühl möglich, eine erhöhte Unfall- und Verletzungsgefahr sowie eine Minderung der Fahrsicherheit. Weitere negative Wirkungen können psychische Beeinträchtigungen, Orientierungslosigkeit und Funktionseinschränkungen des Gedächtnisses sein. An den Augen fallen erweiterte Pupillen und Rötung der Bindehaut auf. Es können Herz-Kreislauf-Symptome entstehen sowie Mundtrockenheit und ein gesteigertes Hungergefühl. Da Wirkungen und Dauer unvorhersehbar sind und oft unterschätzt werden, ist der Konsum von Cannabis in Bezug auf die Arbeit problematisch.
Was sind die langfristigen Auswirkungen?
Bei regelmäßigem Konsum können psychische und körperliche Abhängigkeit die Folge sein. Eine Verschlechterung der Lern- und Gedächtnisleistung, des Problemlösens, der Aufmerksamkeit und Konzentration kommen vor. Diese Veränderungen können bei Abstinenz reversibel, aber auch irreversibel sein. Zudem ist das Risiko für psychische Erkrankungen erhöht. Auch Verschlechterungen der Lungenfunktion, Störungen des Herz-Kreislauf-Systems und des Hormonhaushalts werden beobachtet.
Was können Warnzeichen im Arbeitsteam sein?
Fallen am Arbeitsplatz Verhaltensänderungen wie Produktivitätseinbußen, Unzuverlässigkeit, verlangsamte Reaktionen, verminderte Konzentration sowie gehäufte Fehlzeiten auf, so kann Cannabisabhängigkeit die Ursache sein. Oft isolieren sich die Betroffenen sozial. Nervosität, Panikattacken, Depressionen und Halluzinationen oder Paranoia können zu Tage treten. Bestehen Verhaltensauffälligkeiten und liegen typische Symptome vor, muss der Arbeitgeber aktiv werden.
Welche Rolle spielen Drogentests?
Drogentests prüfen den THC-Wert oder den seiner Abbauprodukte. Die verfügbaren Cannabistests können derzeit allerdings keine Aussage zur Arbeitsfähigkeit treffen.
Im Verdachtsfall kann der Arbeitgeber einen freiwilligen Cannabistest fordern. Beschäftigte haben das Recht, sich zu weigern.
Sie können damit aber auch den Verdacht entkräften, unter Drogeneinfluss zu stehen. Bei gefährlichen Tätigkeiten können in Arbeitsverträgen oder Betriebsvereinbarungen auch regelmäßige verdachtsunabhängige Drogentests festgelegt werden.
Was ist rechtlich zu beachten?
Im Arbeitsschutz gilt: Beschäftigte dürfen sich durch den Konsum von Drogen, Alkohol oder anderen berauschenden Mitteln nicht in einen Zustand versetzen, durch den sie sich selbst oder andere gefährden können. Außerdem dürfen Arbeitgeber Versicherte nicht mit Arbeiten beschäftigen, wenn diese erkennbar nicht in der Lage sind, diese Arbeit ohne Gefahr für sich oder andere auszuführen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) empfiehlt daher, den Konsum von Alkohol und Cannabis am Arbeitsplatz grundsätzlich auszuschließen.
Was kann der Betrieb tun?
Die Gefährdungsbeurteilung ist ein wichtiges Instrument, um psychische Faktoren, die zu einer Überbeanspruchung führen können, am Arbeitsplatz rechtzeitig zu erkennen und Maßnahmen der Suchtprävention zu ergreifen. Eine Maßnahme sind Betriebsvereinbarungen. Sie enthalten klare Regeln, die z. B. dem Konsum vorbeugen. Die Weiterbildung von Führungskräften und Stärkung der Gesundheitskompetenz der Beschäftigten sind ebenfalls wichtig. Umfassende Beratungen leisten Unfallversicherungsträger, Suchtberatungsstellen, Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit.
Cannabis? Nicht am Arbeitsplatz!
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